Zuverlässige 1-Wire Netzwerke

Mit diesem Leitfaden möchten wir Ihnen einige praktische Hinweise geben, wie sich ein zuverlässiges 1-Wire (Mess-)Netzwerk aufbauen lässt, beispielsweise im Rahmen einer Hausinstallation oder eines Sensornetzwerks.

Durch unsere langjährige Arbeit mit 1-Wire Systemen konnten wir viele unterschiedliche Installationen begleiten und analysieren. Dabei zeigt sich immer wieder: Mit geeigneter Hardware und einigen grundlegenden Regeln lassen sich stabile 1-Wire Netzwerke ohne großen Aufwand realisieren.

Im Internet kursieren zahlreiche Ansätze und Empfehlungen, wie sich die Zuverlässigkeit von 1-Wire Netzwerken verbessern lässt. Einige dieser Maßnahmen können durchaus hilfreich sein, greifen jedoch häufig nicht die eigentliche Ursache möglicher Probleme auf.

Hintergründe

Das 1-Wire Protokoll wurde ursprünglich dafür entwickelt, unterschiedliche Baugruppen innerhalb eines Geräts oder auf einer Platine miteinander kommunizieren zu lassen, beispielsweise Komponenten rund um einen Microcontroller. Dabei müssen in der Regel nur sehr kurze Distanzen überbrückt werden.

Heute wird 1-Wire jedoch häufig auch in deutlich größeren Installationen eingesetzt, etwa in Gebäudeautomationssystemen oder Sensornetzwerken mit vielen Geräten und längeren Kabelwegen.

Ein häufiger Irrglaube ist daher, dass sich die Zuverlässigkeit eines 1-Wire Netzwerks hauptsächlich durch die Wahl einer bestimmten Netzwerktopologie oder durch zusätzliche Bauteile wie Kondensatoren, Verstärker oder ähnliche Maßnahmen verbessern lässt. Solche Ansätze können im Einzelfall helfen, adressieren jedoch meist nicht die eigentliche Ursache möglicher Probleme.

Ein weiterer Ansatz besteht darin, größere Installationen in mehrere kleinere 1-Wire Netze aufzuteilen. In bestimmten Situationen kann das sinnvoll sein, allerdings erhöht sich dadurch auch der Hardware- und Installationsaufwand, da zusätzliche Master, Stromversorgungen und Verteiler benötigt werden.

1-Wire Master für 1-Wire Netzwerke

Viele weit verbreitete 1-Wire Adapter basieren auf Hardware-Schnittstellen von Maxim Integrated, beispielsweise der DS9490R oder der DS9097U. Diese Adapter wurden ursprünglich für Anwendungen wie eCash-Systeme, Handmessgeräte oder Programmiergeräte für Datenlogger entwickelt.

In diesen Einsatzbereichen funktionieren solche Adapter zuverlässig. Werden sie jedoch in größeren 1-Wire Netzwerken mit längeren Leitungen und vielen Geräten eingesetzt, können mit zunehmender Netzgröße Stabilitätsprobleme auftreten. Der Grund liegt in den Eigenschaften des 1-Wire Protokolls und der vergleichsweise einfachen Umsetzung der Schnittstelle.

Adapter, die speziell für größere 1-Wire Installationen entwickelt wurden, können hier Vorteile bieten. Dazu gehören beispielsweise die Adapter der Link-Familie von iButtonLink. Diese sind für verschiedene Schnittstellen erhältlich und können unter Windows, Linux und macOS mit den jeweiligen Originaltreibern eingesetzt werden.

The Link - Der intelligentere Ansatz

Der wesentliche Unterschied zu klassischen 1-Wire Mastern liegt darin, dass die Adapter der Link-Familie nicht auf einer statischen 1-Wire Schnittstelle basieren. Stattdessen wird die eigentliche 1-Wire Kommunikation von einem Microcontroller im Adapter gesteuert.

Durch diese Architektur kann die Kommunikation auf unterster Ebene dynamisch an das jeweilige Netzwerk angepasst werden – und zwar vollautomatisch. Während Standardadapter mit festen Timings arbeiten, können wichtige Parameter der 1-Wire Kommunikation kontinuierlich angepasst werden.

Dort, wo einfache Adapter bei größeren Netzen oder längeren Leitungen an ihre Grenzen stoßen können, helfen optimierte Algorithmen dabei, die Kommunikation stabil aufrechtzuerhalten – auch in Installationen, die deutlich über den ursprünglichen Einsatzzweck des 1-Wire Protokolls hinausgehen.

Das Beste aus Anwendersicht: Diese Optimierungen laufen vollständig transparent ab. Aus Sicht der Software verhalten sich die Adapter weitgehend wie eine klassische 1-Wire Schnittstelle. Anwendungen, die für Standardadapter entwickelt wurden, können daher in vielen Fällen ohne Anpassungen weiterverwendet werden.

Zusätzlich verfügen Adapter der Link-Familie über weitere Hardwarefunktionen, die Störeinflüsse aus dem 1-Wire Netzwerk oder vom Host-System reduzieren können.

Die Wahl des richtigen Kabels

Eine weitere wichtige Rolle beim Aufbau zuverlässiger 1-Wire Netzwerke spielt das verwendete Kabel.

Ein weit verbreiteter Irrtum ist die Annahme, dass Telefon- oder Flachbandkabel für den 1-Wire Bus geeignet seien. Diese Kabel besitzen in der Regel weder eine Schirmung noch verdrillte Adernpärchen und sind daher für größere Installationen nur eingeschränkt geeignet.

Auch aufgrund des Namens „1-Wire“ wird häufig angenommen, dass möglichst dünne Kabel mit wenigen Adern ausreichend seien. In der Praxis hat sich jedoch gezeigt, dass geschirmte Netzwerkkabel mit verdrillten Adernpaaren deutlich bessere Ergebnisse liefern.

In der Praxis werden daher meist achtadrige Netzwerkkabel wie Cat5, Cat6 oder Cat7 verwendet. Diese Kabel sind kostengünstig verfügbar und bieten gute elektrische Eigenschaften für längere Leitungswege.

Von der sogenannten parasitären Stromversorgung über die Datenleitung wird in größeren Installationen in der Regel abgeraten, da sie die Stabilität der Kommunikation beeinträchtigen kann.

Zusätzliche Stromversorgung

In größeren 1-Wire Netzwerken wird häufig eine zusätzliche Stromversorgung benötigt, insbesondere wenn neben einfachen Temperatursensoren auch weitere Module wie Luftfeuchte- oder Messsensoren eingesetzt werden.

Der Strombedarf eines größeren Sensornetzwerks kann schnell ansteigen. In solchen Fällen empfiehlt es sich, eine separate Spannungsversorgung vorzusehen und diese ausreichend zu dimensionieren.

So bleibt auch bei einer späteren Erweiterung des Netzwerks genügend Leistungsreserve vorhanden.

Praxisempfehlungen

Die folgenden Punkte haben sich in der Praxis beim Aufbau größerer 1-Wire Netzwerke bewährt:

  • Verwenden Sie möglichst geschirmte Netzwerkkabel mit verdrillten Adernpaaren (z.B. Cat5, Cat6 oder Cat7)
  • Vermeiden Sie Telefon- oder Flachbandkabel für größere Installationen
  • Setzen Sie einen 1-Wire Master ein, der für den Betrieb von Netzwerken ausgelegt ist
  • Planen Sie bei größeren Installationen eine separate Stromversorgung für Sensoren und Aktoren ein
  • Verzichten Sie möglichst auf parasitäre Stromversorgung über die Datenleitung
  • Halten Sie die Verkabelung möglichst übersichtlich und vermeiden Sie unnötig lange Stichleitungen

Wenn diese grundlegenden Punkte berücksichtigt werden, lassen sich auch größere 1-Wire Netzwerke mit vielen Geräten stabil und zuverlässig betreiben.

Typische Fehler beim Aufbau von 1-Wire Netzwerken

In der Praxis treten bei 1-Wire Installationen immer wieder ähnliche Probleme auf. Häufige Ursachen sind beispielsweise:

  • Verwendung ungeeigneter Kabel (z.B. Telefon- oder Flachbandkabel)
  • Parasitär versorgte Geräte in größeren Netzwerken
  • Unzureichend dimensionierte Stromversorgung
  • Sehr lange Stichleitungen oder unübersichtliche Verkabelung
  • Einsatz von Adaptern, die nicht für größere Netzwerke ausgelegt sind

Wenn diese Punkte bereits bei der Planung berücksichtigt werden, lassen sich viele typische Probleme von vornherein vermeiden.

Schlussbemerkung

Wenn einige grundlegende Punkte bei der Planung berücksichtigt werden, lassen sich auch größere 1-Wire Installationen stabil und zuverlässig betreiben. Dazu gehören insbesondere ein geeigneter 1-Wire Master, passende Kabel sowie eine ausreichend dimensionierte Stromversorgung. Bei Fragen zur Planung oder Umsetzung helfen wir Ihnen gerne weiter.

Icon Top